Begrüßung

Ein Gruß, die Begrüßungsformel, Begrüßungsfloskel, Abschiedsformel und Abschiedsfloskel, sind eine formalisierte oder ritualisierte Geste, Floskel oder ein anderes Ausdrucksmittel zum Einleiten bzw. Abschließen eines Kontaktes.

Die Bezeichnung ist zurückgebildet aus dem Verb grüßen, welches auf das westgermanische grotjan – „zum Reden bringen, sprechen machen“ – zurückgeht. Bestimmte Gesten zeigen die Zugehörigkeit zu bestimmten Gesellschaften, Vereinen oder Bewegungen an.

Mit dem Gruß demonstriert der Grüßende seine Sicht der Beziehung zum Gegrüßten. Die Grußformen sind abhängig von Kultur, Zeit und Mode.

Persönliche Kontakte
Bei persönlichen Kontakten wird verbal oder gestikulär gegrüßt.

Sprache
Verbal geäußerte Grüße sind z.B. „guten Tag!“, „Tag!“, „hallo!“, „grüß Gott!“, „grüß dich“ bzw. „grüß Sie“ (davon abgeleitet „grüß Eahna“ (vor allem im Wiener Raum) sowie „grüezi“ in Teilen der deutschsprachigen Schweiz), „servus!“, „salve!“, „Moin!“, „willkommen!“, „Mahlzeit!“, „Glück auf!“, „gude“, „uete“ (Raum Winterthur - Schweiz; abgeleitet von "En Guete Tag" = "Guten Tag"), „peace“ oder „hi!“.

Ist der Gruß tageszeitabhängig (z.B. "Gute Nacht"), spricht man von einem Tagesgruß. Im Lötschental und im Goms (Kanton Wallis, Schweiz) wechselt der Gruss gleich viermal: Von Frühmorgens bis etwa 8 Uhr gilt "Güät Tag wohl!", danach bis um Mittag "Güätu Morgu!". Nach Mittag bis ca. 20 Uhr wird man mit "Güätu Aabu!" begrüsst. Später gilt "Güät Nacht wohl!"

Manche Grüße gelten sowohl für die Begrüßung wie auch für die Verabschiedung, so kann "Guten Abend" auch bedeuten, dass man dem Gegrüßten bei der Verabschiedung eine gute Nacht wünscht. Ein weiteres Beispiel ist in Bayern und Ostösterreich "Servus", das sowohl für die Begrüßung als auch für die Verabschiedung gebraucht wird.

In Norddeutschland verbreitet ist "Tschüs oder Adschüs".

In der Schweiz und in Österreich gibt es die Gruss-Formel "Bhüeti" oder "Bhüeti Gott" (Behüte dich Gott), in Österreich "Pfiati" oder "Pfiat di Gott" ausgesprochen, davon abgeleitet sogar ein Verb für sich verabschieden "si pfiat'n".

In der Innerschweiz gibt es den Gruss "Glück i Gade" (Glück in den Stall), wenn man auf dem Bauernhof den Hausherrn trifft.

Gesten
Unter gleichrangigen Personen
* Einander Zunicken demonstriert in unterschiedlichem Maße gesellschaftliche Anerkennung unter Gleichgestellten.
* Verneigung oder Verbeugung demonstrieren Respekt.
* Die erhobene rechte offene Hand (Indianer) symbolisiert, dass der Grüßende keine Waffe hat.
* Das Erheben der rechten Hand seitlich zur Stirn, mit dem kleinen Finger nach aussen (Militärischer Gruß) signalisiert: wir sind Kampfgefährten.
* Das Erheben der offen rechten Hand und anschliessendes Berühren des linken Oberkörpers (Herzposition) mit der rechten Faust bedeutet: One Peace, One Love und ist unter Reggae-Leuten üblich.
* Das Händeschütteln (Handschlag) (Europa) drückt Verbundenheit aus auf gleicher Augenhöhe.
* Umarmung als gesteigerte Form, Verbundenheit zu zeigen
* Der Kuss bestätigt eine Zusammengehörigkeit in besonderem Maße (abgeleitet vom Füttern eines Babys mit dem Mund der Mutter nachdem diese das Essen vorgekaut hat).
o Hiervon abgeleitet verwenden die Eskimos den Nasenkuß (zwei Münder würden bei der Kälte zusammenkleben)
o Ebenfalls abgeleitet hiervon ist der Wangenkuß bzw. das Aneinanderreiben der Wangen bei den Moslems (ein direkter Mundkuß könnte andere neidisch machen).

Unter Personen verschiedenen Rangs
* Niederwerfung, Fuß- und Kniefall oder die Abnahme der Kopfbedeckung symbolisieren Unterwerfung.

Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat aufgrund interkultureller Vergleiche auch Anhaltspunkte für angeborene Grußformen beschrieben.
Grußgesten reichen in Europa vom lässigen Einander-Zuwinken auf der Straße bis zum förmlichen Abnehmen der Kopfbedeckung bei bestimmten Zeremonien wie das Hongi. Viele unterschiedliche Gesten werden weltweit als einfache Grüße verwendet. In der westlichen Gesellschaft ist der Händedruck verbreitet, der überaus vielsagend hinsichtlich des Händedrucks und des Gebrauches der linken Hand etc. eingesetzt werden kann.

Sonderformen
Als besondere Grußformen haben sich u.a. entwickelt:
• als (beispielsweise kirchlichen) Segensgruß die ausgebreiteten nach vorn gestreckten Arme
• als veraltete Grußform Knicks und Diener
• als Siegesgruß das V (=Victory) Zeichen, mit dem sich zum Beispiel Sportanhänger grüßen.
• die demonstrativ zum Kampfesgruß erhobene geballte Faust der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Nach ihrer Spaltung in Kommunisten und Sozialdemokraten 1918/19 haben – so wird überliefert – die Kommunisten mit der rechten, die Sozialdemokraten mit der linken Faust gegrüßt. Für Anfang der 1930er ist eine Unterscheidung belegt, wonach die Kommunisten den Arm im rechten Winkel hielten mit der Faust in Kopfhöhe, während Sozialdemokraten den Arm durchstreckten.
Noch in den 1980ern trugen mehrere sozialdemokratische Parteien die Faust mit Rose als Symbol (beispielsweise die französischen Sozialisten bzw. die Jungsozialisten). Dieses Symbol wird auch heute noch von der Sozialistischen Internationale und sozialistischen Jugendorganisationen wie den Jusos in der SPD genutzt.
• Den nationalsozialistischen Deutschen Gruß (Hitlergruß) entlehnten die Nationalsozialisten dem Gruß des Faschisten Benito Mussolini, welcher wiederum seinen Gruß dem Segensgruß des römischen Orators entlehnte („saluto romano“).
• Schmiedegesellen auf der Walz werden bei betreten der Werkstatt und beim Fragen um Arbeit mit: "Katzenkopf ?" begrüßt. Die richtige Antwort des Gesellen entscheidet dann über Aufnahme oder Abweisung.
• Beim Gruß der Pfadfinder werden die drei mittleren Finger der Hand gestreckt, während der Daumen über dem kleinen Finger liegt.
• Motorradfahrer grüßen sich während der Fahrt mit ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger.
• Surfer grüßen sich mit ausgestrecktem Daumen und kleinem Finger („hang loose“)
• Rocker und Metal-Fans grüßen sich mit der Mano cornuto
• Trekkies grüßen einander gern mit dem fiktiven vulkanischen Gruß: Die rechte Hand wird erhoben, die Innenfläche nach vorn, die Finger zwischen Mittel- und Ringfinger gespreizt.
• Der Nasengruß (Maori: Hongi) in Neuseeland ist eine traditionelle Begrüßung, bei der sich die Nasenspitzen der Personen berühren.
• In den östlichen Kulturen (Japan, Korea) ist die einfache Verneigung üblich, wobei zahlreiche regionale Varianten auftreten. Die Japaner legen die Hände auf die Vorderseite der Oberschenkel. In vielen südostasiatischen Ländern (z.B. in Indien - zusammen mit dem Wort nameste - Sri Lanka, Thailand und in Korea) ist die Begrüßung und Verabschiedung durch das senkrechte Nebeneinanderlegen der Handflächen üblich (Wai).
• Der arabisch gesprochene Friedensgruß Salam wird von einer leichten Verneigung begleitet, wobei die rechte Handfläche auf die Stirn gelegt wird. In einigen Gesellschaften umarmen und küssen auch Männer einander, solche Gesten zeigen jedoch einen gewissen Grad der Intimität und werden nicht mit Fremden ausgetauscht. Alle diese Gesten werden ergänzt oder vollständig ersetzt durch den Händedruck in Bereichen, wo Begegnungen mit Vertretern des Westens erfolgen.
Diese Verneigungen zeigen Respekt und Anerkennung des gesellschaftlichen Ranges an, aber nicht notwendigerweise Unterwerfung.

Unterwerfung
Eine Unterwerfung ist eine Geste nicht nur der Höflichkeit, sondern auch der Unterordnung. Solche Gesten begegnen in weniger facettierten Gesellschaften seltener; Europäer zum Beispiel reagieren heute eher mit Befremden auf ein Niederknien vor einer menschlichen Autorität. Die Unterscheidung zwischen einem formal höflichen Gruß und einer Unterwerfung fällt nicht immer leicht; beispielsweise ist die Proskynese (griechisch für „das Küssen des Bodens“) vom griechischen Forscher Herodot, 5. Jahrhundert v. Chr. überliefert:
Wenn die Perser einander auf der Straße treffen, grüßen sich Gleichrangige anstelle von Worten des Grußes, mit einem Kuss auf den Mund; Rangverschiedene küssen einander die Wange; bei großen Rangunterschieden fällt er vor ihm nieder und huldigt ihm.
Nach der Eroberung Persiens führte Alexander der Große persische Manieren auf seinem eigenen Hof ein, einschließlich des Kniefalls. Besucher, mussten sich, abhängig von ihren Rang, niederwerfen, niederknien, oder den König küssen. Seine griechischen und mazedonischen Unterworfenen begehrten gegen diese Praxis auf, da sie diese für sie religiösen Rituale als allein den Göttern zustehend betrachteten.
In den Ländern mit vornehmer höfischer Gesellschaft ist das Verneigen vor Adel und Königshaus üblich, wobei die Verneigung stehend erfolgt. Im Westen verneigen sich Frauen nicht, sondern vollführen einen Knicks, wobei ein Fuß und der gesamte Körper zurückbewegt und gesenkt wird, während man den Kopf neigt.
Differenziertere Unterwerfungsgesten verwendete man in formalisierteren Gesellschaften. Der 叩頭 Kotau (Kantonesisch, wörtlich „den Kopf stoßen“) im Kaiserreich China war ein Zeichen tiefer Verehrung. Dabei wird der Kopf so weit gesenkt, dass er den Boden berührt: Man beginnt mit dem Niederknien, setzt sich zurück auf die Fersen, bewegt die Hände über Schenkel und Knie zum Fußboden und bewegt den nach unten geneigten Körper nach vorn. Ob der Kopf gebeugt wird oder nicht, spiegelt zudem den Grad der Unterordnung wider – in der Kriegskunst zum Beispiel bleibt der Kopf gehoben, in religiösen Zeremonien berührt die Stirn den Boden.
In vielen Kampfsportarten wird als Teil der Etikette vor Beginn eines Trainings oder eines Wettbewerbes angegrüßt, in Gruppen grüßen die niedrigeren Grade den höchsten Gürtelträger durch eine Verbeugung.

Religiöser Gruß
Viele Gläubige knien während des Gebets; Katholiken, Orthodoxe, und teilweise Anglikaner vollziehen eine Kniebeuge: Das rechte Knie gebeugt berühren sie während des Gottesdienstes als Zeichen der Anbetung Gottes den Boden. In manchen Fällen wird auch ein hoher kirchlicher Würdenträger (Papst, Bischof) als Gesandter Gottes mit einer Kniebeuge begrüßt, dann allerdings mit dem linken Knie - um den Unterschied zur Verehrung Gottes deutlich zu machen.
Während des islamischen Gebets wird eine knieende Verneigung vollzogen: der sujud, bei dem Stirn, Nase, Hände, Knie und Zehen den Boden berühren.

Begrüßung als Tagesordnungspunkt
Die "Begrüßung" ist sehr häufig der erste Tagesordnungspunkt in Sitzungen und ähnlichen Gruppenveranstaltungen. Oberflächlich betrachtet, erscheint sie in der Regel als im Vergleich zu den folgenden Tagesordnungspunkten unbedeutend. Als Tagesordnungspunkt ermöglicht die Begrüßung jedoch, Rollenverteilungen in Sitzungen protokollarisch festzuhalten, ohne dass dies als Beeinflussungsmethode offen sichtbar und damit diskutierbar wird. Als erste Aktivität in einer Begegnung sichert sie dem Grüßenden die wichtige einleitende Initiative in der Begegnung, die im Fall von Sitzungen dann auch formal dokumentiert wird. Die Begrüßung wirkt hier als Führungsinstrument. Ihre Gestaltung hilft dem Grüßenden, den Charakter der nachfolgend beginnenden Kommunikation auf einen von ihm gewünschten anfänglichen Arbeitspunkt zwischen Symmetrie und Komplementarität zu legen. Sind die Teilnehmer der Sitzung nicht in Beeinflussungsmethoden geschult, können ihre Rollen mit der Begrüßung effektiver manipuliert werden, als das bei einer expliziten Rollenklärung der Fall wäre.

Nichtpersönliche Kontakte
In Telefonaten, Briefen, Telegrammen u. ä. werden nur mündliche oder z. T. auch bildliche Grüße übermittelt.

Mündlich
In Verbindung mit Heil stehen oft Standesgrüße wie
• Berg Heil (Kletterer), Petri Heil (Angler), Waidmanns Heil! (Jäger). Darauf antwortet man jeweils mit … Dank, also Petri Dank usw.
Sportler grüßen mit
• Gut Sport! oder Sport frei (DDR)
Schwimmer grüßen mit
• Gut Nass!
Segler grüßen mit
• Mast- und Schotbruch!
Sportkegler und -bowler grüßen mit
• Gut Holz!

Schriftlich
Im Schriftdeutsch werden Grußformeln verwendet
• zu Beginn z. B. "Sehr geehrte Damen und Herren", "Sehr geehrter Herr Direktor", "Liebe(r)…", "Werte(r)…" usw.,
• zum Ende z. B. "Mit freundlichen Grüßen", "Hochachtungsvoll", "viele Grüße" oder "Liebe Grüße".
Ferner werden vor allem bei E-Mails, im Chat und bei SMS Emoticons verwendet, um Grüße zu übermitteln.
Bestimmte Floskeln sind im Schriftdeutsch unüblich, z.B. "Guten Abend".


Quelle: Wikipedia.de